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Einfacher bauen bedeutet günstiger bauen – der Gebäudetyp E


„Boah ist das teuer!“
 

Das hat schon so mancher gedacht, der ein neues Haus bauen oder eine Wohnung kaufen will, nachdem er alle Wünsche zu Papier gebracht hat: ansprechende Architektur im Bauhausstil, Keller wäre natürlich toll, automatische Be- und Entlüftung klar, reichlich Steckdosen usw. usw. Das alles kostet Geld, viel Geld – für viele zuviel Geld. Und damit ist der Traum vom Eigenheim oder der eigenen Wohnung oft schon lange vor dem ersten Spatenstich wie eine Seifenblase geplatzt.

Das müsste nicht so sein, meint die Bundesregierung. Justizministerin Stefanie Hubig und Bauministerin Verena Hubertz haben jetzt ein Eckpunktepapier vorgelegt, mit dem Bauen in Deutschland einfacher, günstiger und schneller werden soll. Möglich machen soll es der neue Gebäudetyp E wie einfach. Damit könnte auf viele Baustandards verzichtet werden, die gesetzlich nicht zwingend sind.
 

Gebäudetyp E - wird das Bauen wieder bezahlbar?

 

„Der Gebäudetyp E ist ein bisschen wie Baupreisbremse und Bauturbo in einem“, sagt Stefanie Hubig. „Bislang wird in Deutschland fast immer nach dem Goldstandard gebaut.“ Bauministerin Verena Hubertz ergänzt: „Wir bauen einfacher, schneller und günstiger, ohne an Qualität zu sparen: kompakte Grundrisse, robuste Materialien und weg von Schnick Schnack, das den Bau verteuert.“ Der Gebäudetyp E soll sowohl für den Neubau wie für den Bestand gelten.

Der Bedarf ist auf jeden Fall da: Im vergangenen Jahr sind in Deutschland nur rund 250.000 neue Wohnungen gebaut worden. Den Bedarf schätzen Experten auf 320.000. Zwar hat die NRW-Statistikbehörde für die ersten neun Monate ein Plus von 5,5 Prozent bei den Baugenehmigungen für neuen Wohnraum genannt. In Münster gab es dagegen sogar ein sattes Minus von fast 27 Prozent. 

Der Zuwachs in NRW fand allerdings nahezu ausschließlich bei Einfamilienhäusern statt. Bei Mehrfamilienhäusern gab es lediglich ein Miniplus von 0,3 Prozent. Und das ist viel zu wenig, um die Wohnraumnot zu bekämpfen.
 

Gebäudetyp E als baurechtlicher Meilenstein
 

Das Baugewerbe bezeichnet die Pläne für den Gebäudetyp E denn auch als „baurechtlichen Meilenstein“. Und auch die Bauindustrie lobt mit Einschränkungen: Die Eckpunkte erfassten den Kern des Problems: Eine Abkehr von der Einhaltung der sogenannten anerkannten Regeln der Technik, sagt etwa BAUINDUSTRIE-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller. Ein kleiner Wermustropfen sei allerdings, dass diese wichtige Änderung nur im Rahmen eines bestimmten Vertragsmodells möglich sein soll. 
 

Vom Eckpunktepapier zum Gesetz
 

Der Weg vom Eckpunktepapier zum Gesetz ist allerdings nicht E wie einfach: Die Pläne sollen jetzt erst einmal mit Ländern und Wirtschaftsverbänden beraten werden. Ende 2026 soll dann ein Gesetzentwurf im Kabinett beschlossen werden. Und über den muss dann natürlich noch das Parlament beraten und abstimmen.
 


Hilfreiche Links


Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
https://www.bmjv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/1120_Gebaeudetyp_E.html
https://www.bmjv.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/DE/2025_GebauedetypE.html


Bundesarchitektenkammer e.V.
https://bak.de/politik-und-praxis/stadt-land-wohnungsbau/einfach-bauen-gebaeudetyp-e/


Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V.
https://www.bauindustrie.de/pm/gebaeudetyp-e-einfaches-bauen-moeglich-machen


Zentralverband Deutsches Baugewerbe
https://www.zdb.de/meldungen/gebaeudetyp-e-baurechtlicher-meilenstein


IT.NRW
https://www.it.nrw/nrw-mehr-baugenehmigungen-fuer-wohnungen-in-den-ersten-neun-monaten-2025
 

Moderne Wohnanlage im Bauhausstil mit Begrünung

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